Bereits seit dem Spätsommer 2009 arbeitete Google an der Umstellung
auf Caffeine, Anfang Juni 2010 war es dann so weit.
Google betont, dass Caffeine "kein neuer Suchalgorithmus" ist. Caffeine sei stattdessen ein neuer Suchindex - also eine komplett überarbeitete Version jener gigantischen Tabelle, in der Google alle erfassten Webseiten sammelt.
2008 hatte Google bereits rund eine Billiarde Links in diesem Index - inzwischen dürften es durch Content-Erzeuger aus dem Social-Media-Sektor wie etwa Twitter noch viel mehr sein. Jedenfalls belegt Caffeine bereits eine Datenbank mit fast 100 Millionen GByte Speichervolumen - und jeden Tag kommen mehrere hunderttausend GByte hinzu.
Bislang wurde dieser Content in Schichten eingeteilt, die in unterschiedlichen Abständen aktualisiert wurden. Um mit der explosionsartig wachsenden Content-Menge Schritt halten zu können, wird bei Caffeine nun stattdessen das Web als Ganzes in kleinere Portionen aufgeteilt, die kontinuierlich aktualisiert werden. Dadurch soll neuer Content im Web sehr viel schneller als bisher - im Idealfall schon Sekunden nach der Veröffentlichung - über die Google-Suche zu finden sein.
Googles Such-Guru Matt Cutts greift zu einem anschaulichen Vergleich, um die Auswirkungen des Index-Tunings zu verdeutlichen: "Bisher mussten Webseiten quasi 20 Minuten an der Haltestelle warten, bis der Bus kam. Jetzt gehen sie vor die Tür und da wartet schon die Limousine." Technisch gesehen passiert das vornehmlich durch ein neues, wesentlich leistungsfähigeres Dateisystem namens GFS 2 (Google File System 2).
Laut Google hat sich durch Caffeine der eigentliche Suchalgorithmus - also die Rechenvorschrift für die Bewertung der erfassten Webseiten, um sie in eine Reihenfolge für die Anzeige auf den Ergebnisseiten (SERPs) zu bringen - nicht geändert. Das ist glaubwürdig und technisch korrekt, aber dennoch etwas in die Irre führend. Tatsächlich haben viele Webseitenbetreiber festgestellt, dass ihre Seiten nach der Umstellung anders gerankt wurden als vorher.
Der Grund dürfte vermutlich sein, dass durch die leistungsfähigere Caffeine-Infrastruktur nun mehr Informationen in kürzeren Abständen erfasst werden und sich auf diesem Weg Veränderungen der SERPs (Search Engine Result Pages) ergeben, auch wenn der Algorithmus der gleiche geblieben ist. Veraltete Seiten laufen nun wohl eher Gefahr, von den vorderen Plätzen durch aktuellere Seiten verdrängt zu werden.
Um mit den Auswirkungen der Caffeine-Umstellung sinnvoll umzugehen, empfehlen
SEO-Experten folgende Maßnahmen:
Besonders wichtig sei, sämtliche Kanäle der Google Universal Search zu bedienen, rät Niko Bardowicks von Online Marketing Solutions: "Da sind zum einen die speziellen Suchdienste von Google wie Newssuche, Videosuche, Blogsuche und zum anderen die verschiedenen Medien, Text, Bild und Video, die alle berücksichtigt werden müssen. Eine stete Aktualisierung der Inhalte ist unabdingbar."
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Daniel Würstl
Dipl. Betriebswirt (FH)
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